Veranstaltungstipp: „Film-AG“ der KKS – Rückblick auf eine Legende – Filmfestival vom 16. bis 19. November

Selbstgedrehte Western und Superman-Filme, die Itzehoer Schülerschaft in wilder Empörung im APO-Jahr 1968, Klassenfahrten, Zeichentrickfilme, aber auch Berichte zum Tagesgeschehen und ambitionierte Kurzfilme, die bei nationalen und internationalen Festivals Preise gewannen – vor gut 50 Jahren war die „Film AG“ der Kaiser-Karl-Schule ein sehr erfolgreiches und vielfältiges Schulprojekt.

Daran will ein kleines Festival erinnern, das der Filmklub der Arthur Boskamp Stiftung M1 in Zusammenarbeit mit der Filmwerkstatt Kiel vom 16. bis 19. November im Gebäude der Stiftung in der Breiten Stasse 18 in Hohenlockstedt veranstaltet.

Organisator Christian Meurer hat ein gutes Dutzend Beteiligte der von 1965 – 1973 existierenden Arbeitsgemeinschaft ausfindig gemacht. Was an Filmmaterial noch verwertbar war, zeigt jetzt ein viertägiges Programm. Viele der Filme sind vor 40 – 50 Jahren zuletzt gezeigt worden.

Eine besondere Rarität lag in einem Karton im Keller eines Hauses im brandenburgischen Teltow: Ein Zwanzig- Minuten-Dokument, mitunter farbig, filmte AGler Wilfried Glaner Ende Mai 1968 während der Schüler-Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze – ein Hauch von Woodstock beim Sit-In im Prinzeßhof. Weitere Filme portraitieren die Itzehoer Gruppe der DKP-Jugendorganisation SDAJ oder zeigen einen Umzug der Anfang der 70er kurzfristig aufgekommenen urchristlichen Hippie-Sekte, „Jesus people“ in Itzehoe.

Einige Mitglieder der AG wechselten ins Profi-Lager und studierten nach dem Abitur an der Berliner Film- und Fernseh-Akademie. Auch ihre weiteren Arbeiten werden vorgestellt, so die des kürzlich verstorbenen Hohenlockstedter Lehrersohns Rainer Boldt, den später mit Fernsehserien wie „Neues aus Uhlenbusch“ und „Nicht von schlechten Eltern“ berühmt machten. Ebenfalls bekannt wurde der Kameramann Axel Brandt oder auch Boldts Mitabiturient Helmut Wietz, der später Aktionen des Künstlers Joseph Beuys in New York mit der Kamera festhielt.

Viele dieser Filme sind natürlich auch Gucklöcher in ein vergangenes Itzehoe. Das gilt besonders für die Frühwerke Rainer Boldts, der in und um Itzehoe über ein Dutzend Kurzfilme, stilistisch irgendwo zwischen Swinging London und den Cinéasten-Regisseuren Antonioni und Godard, mit schon professionellem 16 mm-Material drehte : Gestochen scharf und zum Teil in völlig unverblassten Farben erblickt man die alte Zuckerfabrik, die Kaserne an der Moltkestrasse oder die alte Tchibo-Filiale als Filmkulissen.

Und auch wer Lehrer von damals wiedersehen möchte, kommt auf seine Kosten: In manchen Filmen wirken sie als Schauspieler mit, ein Streifen zeigt fast das komplette KKS-Kollegium von 1968 zehn Minuten lang nacheinander beim Gang über den Schulhof.

LINK: Hier das komplette Filmfestivalprogramm als PDF!

Da noch weitere Veranstaltungen zu dieser Thematik geplant sind, bittet Christian Meurer Leser, die ihm Auskunft geben können, um Mithilfe: Kennt jemand Angehörige des Anfang der 80er Jahre verstorbenen AG-Mitglieds Michael Vogler? Kann jemand Auskunft darüber geben, wo Gaby Falk, seinerzeit Hauptdarstellerin vieler Rainer-Boldt-Filme heute lebt? Antworten bitte unter Tel. (04826) 2120

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